Über Kinderfluchtpunkt

Warum kinderflucht•punkt?

Können Kinder illegal sein?
Müssen wir das Wohl von Flüchtlingskindern weniger schützen?
Sind Roma-Kinder per se "robust"?
Haben afghanische Mädchen kein legitimes Bedürfnis nach Selbstbestimmung?
Haben Kinder ohne Papiere kein Recht auf Bildung?
Gilt der Schutz der Familie nur für Deutsche?

Vermutlich wäre Ihre Antwort sechsmal "nein". Doch leider handelt es sich nicht um polemische Suggestivfragen. Sie spiegeln vielmehr aktuelle Verwaltungs- und Rechtsprechungspraxis wider. Flüchtlingskinder sind für deutsche Behörden in erster Linie Flüchtlinge, vor denen es sich zu schützen gilt. Das Kindeswohl bleibt dabei nur allzu häufig auf der Strecke. Und das auch ganz offiziell: Deutschland hat die internationale Kinderschutzkonvention nur unter dem Vorbehalt ratifiziert, dass diese für ausländische Kinder nicht vollständig angewandt wird.

kinderflucht•punkt hilft Flüchtlingskindern!

Der kinderflucht•punkt stellt das Wohl und die besondere Lebenssituation der Kinder in den Mittelpunkt. Mit diesem Projekt wollen wir

  • den Kindern Raum geben, über ihre Erfahrungen, Probleme und Wünsche in einer vertrauensvollen Atmosphäre zu sprechen,
  • evtl. vorhandenen sozialpädagogischen, psychologischen oder medizinischen Hilfebedarf möglichst frühzeitig erkennen sowie kompetente Unterstützung und Behandlung zuverlässig vermitteln,
  • die gesamte Familie in ihrem aufenthaltsrechtlichen Verfahren beraten und
  • die Öffentlichkeit für die besondere Situation der Flüchtlingskinder sensibilisieren.

Der kinderflucht•punkt ist in dieser Form ein bisher einzigartiges Projekt zur Unterstützung von Flüchtlingskindern. Deshalb ist uns besonders daran gelegen, unsere Erfahrungen und Ergebnisse auch anderen Einrichtungen verfügbar zu machen. Zu diesem Zweck wird das Projekt wissenschaftlich begleitet, umfassend dokumentiert und durch Fortbildungsveranstaltungen ergänzt. Auf diesem Wege wollen wir nicht nur hier in Hamburg ein Netzwerk zur Unterstützung von Flüchtlingskindern schaffen, sondern auch Materialien entwickeln, die von Interessierten überall genutzt werden können.

Was ist kinderfluchtpunkt?

Das Projekt kinderfluchtpunkt besteht aus vier eigenständigen Modulen.

  1. Kindersprechstunde
  2. Ermittlung von Hilfebedarf bei Leidenszuständen von Flüchtlingskindern und -jugendlichen (Kinderstudie)

    - Stufe 1: Wissenschaftliche Erhebung
    - Stufe 2: Anwendung der Ergebnisse

  3. Beratung von Flüchtlingsfamilien unter besonderer Berücksichtigung der Belange der Kinder und Beratung besonders verwundbarer Flüchtlingsgruppen
  4. Öffentlichkeitskampagne "Kinder verschwinden!"

Durch einen Klick auf die links gelangen sie zur Kurzvorstellung der Module. Allgemeine Hintergrundinformationen zur Situation geduldeter Flüchtlingskinder erhalten sie hier.

Kinderfluchtpunkt wird gefördert von:

 

Hintergrund

Seit 1994 helfen wir im flucht•punkt Flüchtlingsfamilien bei ihren komplizierten aufenthaltsrechtlichen Verfahren. Trotz zweier Gesetzesänderungen und punktuellen Bleiberechtsregelungen hat sich an der Praxis der Länder, diesen Menschen auch nach vielen Jahren kein Aufenthaltsrecht zu gewähren, leider wenig geändert. Nach offiziellen Angaben lebten Anfang 2007 bundesweit etwa 180.000 Menschen mit einer Duldung, etwa die Hälfte von ihnen seit 10 oder mehr Jahren. In Hamburg mussten zu dem Zeitpunkt mehr als 3.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren jederzeit damit rechnen, abgeschoben zu werden. Mehr als 1.400 dieser Kinder wurden schon in Hamburg geboren und kennen das Land, in das man sie abschieben will, nicht. Solange sie hier mit ihrer "Duldung" leben, können  sie keine Ausbildung absolvieren, und auch den Eltern ist in der Regel keine Erwerbstätigkeit gestattet.

Erst ganz allmählich rückt die besondere Situation der Flüchtlingskinder, die gemeinsam mit ihren Familien nach Deutschland gekommen sind, ins öffentliche Interesse. In den aufenthaltsrechtlichen Verfahren und im Kontakt mit BeraterInnen und RechtsanwältInnen steht das Fluchtschicksal der Eltern im Vordergrund. Das Schicksal der Kinder tritt dahinter zurück. Auch psychische Erkrankungen der Kinder werden häufig gar nicht oder erst sehr spät erkannt und behandelt. Dabei wird immer deutlicher, dass diese Kinder unter besonders gefährdenden Umständen leben. Dazu gehören vor allem die dauernde Unsicherheit und Perspektivlosigkeit der Familien im Status der "Kettenduldung". Diese Umstände werden aber noch viel zu selten von offizieller Seite aus als problematisch und gefährdend wahrgenommen. In diesem Bereich muss auch zukünftig noch viel an Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit geleistet werden.